Deutscher Gewerkschaftsbund

11.09.2022

Energiekosten in den Griff bekommen

Beratung und Information

Egal ob bei Heizung oder Strom – in den kommenden Monaten wird es für viele Haushalte schwierig, die steigenden Energiekosten zu tragen. Momentan drehen sich viele Diskussionen ums Energiesparen. Ist Photovoltaik für mich eine Lösung? Wie funktioniert das mit der Wärmepumpe? Rentiert sich für mich eine Solarstromanlage auf dem Balkon? Wie kann ich Strom bei der Spülmaschine sparen? Verbraucherzentralen, Energieversorger und Energieberater bieten viele unterschiedliche Energieberatungen an aber was passiert, wenn am Ende dann doch eine (zu) hohe Strom- oder Gasrechnung droht? Wir wollen darüber informieren, welche Beratungsangebote es gibt, die rund um das Thema Energie Hilfestellung bieten können und welche Möglichkeiten es darüber hinaus gibt, Unterstützung zu finden.

Ein Tipp vorneweg: Vielen Beschäftigten ist nicht bewusst, dass auch für sie ein grundsätzlicher Anspruch zur Heizkostenübernahme durch den Staat besteht (siehe unteren Artikel). Da dieser Erstattungsanspruch von vielen Faktoren (Einkommen, Haushaltsgröße, Warmmiete, Höhe der Nachforderung) abhängt, können wir leider keine allgemeingültige Einkommensgrenze angeben, bis zu der gesichert ein Anspruch besteht. Es bleibt somit eine Unsicherheit. Um dieser zu begegnen ist es sinnvoll, sich auf eine Nachforderung einzustellen und vorsorglich privat Geld zur Seite zu legen (was einen möglichen Erstattungsanspruch nicht schmälert).

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Vielen Beschäftigten ist nicht bewusst, dass nicht nur für ALG II Empfänger*innen ein Anspruch zur Heizkostenübernahme durch den Staat besteht.

Daher an dieser Stelle eine Info zur Übernahme von Betriebskosten- und Heizkostennachforderungen für Beschäftigte. Grundsätzlich ist festzuhalten: ein Anspruch auf Übernahme eines sozialrechtlichen Bedarfes entsteht im Monat der Fälligkeit, d.h. in dem Monat, in welchem die Betriebskosten- und Heizkostennachzahlungen zu zahlen sind. Der Übernahmeanspruch besteht auch für nichtleistungsbeziehende Menschen (siehe untere Musterrechnung)! Beantragt jemand die Übernahme der Nachforderung erst nach deren Fälligkeit, handelt es sich allerdings rechtlich gesehen nicht mehr um einen (Heiz-)bedarf, sondern um Schulden. Dann besteht nur noch ein Übernahmeanspruch auf Darlehensbasis im Rahmen einer Ermessensentscheidung.

  • Musterrechnung: Übernahme von Betriebs- und Heizkostennachforderungen für Beschäftigte

    (vereinfachte) Musterrechnung zur Übernahme einer Heizkostennachzahlung nach SGB II in drei Schritten mit folgenden Annahmen:

    Arbeitnehmer*in mit Erwerbseinkommen von 2.300 € Brutto und 1.827 € Netto
    Warmmiete der Wohnung 700 €
    Heizkostennachzahlung in Höhe von 1000 €

    (1) Sozialrechtlicher Bedarf nach SGB II:

          449 € Regelbedarf
    +    700 € Miete incl. Heizung
    + 1.000 € Heizkostennachzahlung
    ----------------------------
      2.149 € sozialrechtlicher Bedarf im Monat der Fälligkeit

     

    (2) Einkommensbereinigung:

    1.827 € Nettoeinkommen
    - 100 € Grundfreibetrag (§11b Abs. 2 SGB II)
    - 200 € Erwerbstätigenfreibetrag (§11b Abs. 3 SGB II)
    ---------------------------------
    1.527 € anrechenbares Einkommen

     

    (3) Endrechnung:

      2.149 € sozialrechtlicher Bedarf
    - 1.527 € anrechenbares Einkommen
    ---------------------------
         622 € Übernahmeanspruch nach SGB II

     

    Eine Detaillierte Darstellung mit sozialrechtlichen Grundlagen und höchstrichterlichen Entscheidungen sind hier zu finden.

  • Jobcenter und Sozialämter

    Sowohl Leistungsbezieher als auch Beschäftigte können Anträge zur Übernahme von Betriebs- und Heizkostennachforderungen bei ihrem zuständigen Jobcenter bzw. Sozialamt stellen.

    Jobcenter Kreis Unna

    Serviceportal Unna

    Jobcenter Kreis Soest

    Sozialamt Lippstadt

    Sozialamt Hamm

    Jobcenter Dortmund

    Serviceportal Dortmund

  • Online-Heizcheck des Deutschen Mieterbundes

    In Sachen Heizenergie gibt es einen kostenlosen Online-Heizcheck des Deutschen Mieterbundes, welcher hilft, eine Einschätzung über das persönliche Heizverhalten zu bekommen. Dies ist in wenigen Schritten unter Zuhilfenahme der eigenen Heizkostenabrechnung möglich.

  • Service von Gewerkschaften

    Sollte es zu Problemen kommen bieten verschiedene Gewerkschaften für ihre Mitglieder eigene oder vergünstigte Beratungsangebote bei Mietervereinen in Sachen Mietrecht an. Beispielsweise gibt es als NGG-Mitglied eine kostenlose, telefonische mietrechtliche Kurz- und Erstberatung beim Deutschen Mieterbund und für Verdi-Mitglieder die kostenlose Verdi-Mietrechtshotline.

  • Mieter(schutz)vereine in der Region

    Auf den jeweiligen Internetportalen der Mieterschutzvereine finden sich darüber hinaus weitere Beratungsangebote, Online-Schulungen und Kontaktdaten. Sie helfen bei vielen Fragen rund um die Mietnebenkosten, bei der Erhöhung der Abschlagszahlungen und bei drohender Stromsperre durch den Energieversorger.

    Mieterschutzvereine in der Region:

    Mieterverein Dortmund und Umgebung

    Mieterschutz Dortmund

    Deutscher Mieterbund Hamm

    Mieterverein Unna

    Mieterbund OWL

  • Verbraucherzentralen

    Kompetente Beratung rund um das Thema Energie findet man bei den örtlichen Verbraucherzentralen. Und wenn Sie Ihre Rechnung für Strom oder Gas nicht bezahlen können oder Ihnen der Strom schon abgestellt wurde, erhalten Sie nach einer Terminvereinbarung hier eine kostenfreie Beratung!

    Dortmund

    Hamm

    Unna

    Soest

    Lippstadt

  • Energieversorger

    Um Strom- und/oder Gassperren zu vermeiden, sollte unbedingt frühzeitig der eigene Energieversorger kontaktiert werden. Meistens besteht die Möglichkeit, nach individueller Prüfung einen Zahlungsaufschub und für Nachzahlungen einen persönlichen Ratenplan zu vereinbaren.

    DEW21 Dortmund

    Stadtwerke Hamm

    Stadtwerke Unna

    Stadtwerke Lünen

    Stadtwerke Soest

    Stadtwerke Lippstadt

Der DGB NRW hat über das Thema Energie hinaus verschiedenste Forderungen und Lösungsvorschläge erarbeitet, die den Menschen in ihrer aktuellen Situation helfen können. Dabei geht es von der Deckelung der Energiekosten bis hin zu Stärkungsmaßnahmen für die Unternehmen um Arbeitsplätze zu sichern.


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