Deutscher Gewerkschaftsbund

28.01.2013
Betriebsräte und Journalisten warnen

Ein-Zeitungs-Kreise in NRW nehmen zu

Medienvielfalt ist nicht mehr gegeben

 


Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen soll sich stärker mit der Entwicklung der Medienlandschaft speziell im Bereich der Lokalzeitungen beschäftigen. Das haben Betriebsräte und Journalisten verschiedener Tageszeitungsverlage aus NRW bei einem Treffen mit dem Staatssekretär für Medien Marc Jan Eumann und Vertretern der SPD-Landtagsfraktion gefordert.  Durch die Zunahme von Ein-Zeitungs-Kreisen sei Meinungsvielfalt in NRW nicht mehr gegeben, erklärten die Vertreterinnen und Vertreter der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di. Jüngstes Beispiel sei die beabsichtigte Schließung aller Redaktionen der Westfälischen Rundschau, die im  Raum Dortmund/Südwestfalen erscheint. Darüber hinaus habe der WAZ-Konzern im Jahr 2009 allein 300 Stellen in den Redaktionen der WAZ abgebaut. Gleichzeitig steige die Zahl der prekären Beschäftigungsverhältnisse. Viele Journalistinnen und Journalisten könnten heute nicht allein von ihrer Arbeit für Tageszeitzungen leben.

Es könne nicht im Interesse der Landesregierung und der Kommunalparlamente sein, dass politische Inhalte in den Lokalzeitungen immer weniger transportiert würden, sagte die dju-Bundesgeschäftsführerin Cornelia Haß. Denn gleichzeitig erwirtschafteten die Zeitungsverlage in NRW wie zum Beispiel die WAZ zweistellige Umsatzrenditen. „Die Herausgabe lokaler Tageszeitungen darf nicht nur unter dem Gedanken der Profitmaximierung gesehen werden“, sagte Haß. „Wenn sich Verlage nicht mehr von anderen Wirtschaftsbetrieben unterschieden, muss man dringend über die Streichung von Tendenzschutz und Steuererleichterungen reden.

Ausdrücklich begrüßt wurde die Initiative Lokaljournalismus (INLOK) von Ministerpräsidentin  Hannelore Kraft. Das Engagement der Landesregierung für die Qualifizierungsoffensive für freie Mitarbeiter an Tageszeitungen dürfe aber nicht zu verlagsinternen Einsparungen genutzt werden. INLOK-Schulungen und Qualifizierungsmodelle müssten von einer Tarifbindung der Verlage abhängig gemacht werden, damit nicht gut ausgebildete freie Journalistinnen und Journalisten durch INLOK-geschulte, schlecht bezahlte Arbeitskräfte ersetzt würden.

 

 


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Günter Isemeyer

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