Deutscher Gewerkschaftsbund

Niedriglohn und Arbeit auf Abruf

Zurück zur Dienstbotengesellschaft

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Am Donnerstag, den 12. Oktober, ist die Journalistin und Buchautorin Julia Friedrichs in der Kommende zu Gast. Ab 19.30 Uhr stellt sie ihre Kritik an der neuen „Dienstbotengesellschaft“ vor und zur Diskussion. Bekannt wurde Julia Friedrichs u.a. durch ihre Veröffentlichungen zur deutschen Klassen- und Erbengesellschaft. Zuletzt schrieb sie über Kinderarmut und den Reichtum der Eliten, über Arbeit auf Abruf und die per Online-Plattform verfügbaren anonymen Dienstboten. Beim Querdenker-Abend in der Kommende geht es um den Gegensatz zwischen Gutverdienern und Niedriglöhnern, zwischen Unter- und Mittelschicht, Leistungsträgern und Servicekräften, Boten und Bedienten. Wir fragen nach:

  • Muss es uns peinlich sein, wenn Menschen gegen geringe Bezahlung und zu flexiblen Zeiten für uns putzen und Pakete schleppen, Babysitter- oder Kurierdienste übernehmen?
  • Warum sollten die besser Ausgebildeten und besser Verdienenden, die beruflich Überlasteten, die gesellschaftlichen „Leistungsträger“ ihre Lebenszeit mit solch einfachen Tätigkeiten „verschwenden“?
  • Was spricht gegen die Bewertung der verschiedenen Arten von Lebens- und Arbeitszeit nach der allseits genutzten Marktlogik?
  • Wo liegen die Ursachen für die geringe Bezahlung von Dienstleistungen und Servicekräften?
  • Ist es der Egoismus der nutznießenden Mittelschicht? Die schwache gewerkschaftliche Organisation? Die ausgeklügelten Strategien zur Privatisierung und (Schein-)Selbstständigkeit bis zur Einzelperson?
  • Wo gibt es Ansatzpunkte für eine höhere Bewertung privater Dienstleistungen? Müsste die Nachfrage dazu nicht eher wachsen, anstatt sie aufgrund persönlicher Skrupel zu verringern?
  • Lässt sich die Organisation per Internetplattform, die eine personenunabhängige Flexibilität der Lieferung von Waren und Leistungen ermöglicht, auch gegenläufig nutzen: zur Solidarisierung der „Dienstboten“ untereinander; zur Absprache angemessener Entlohnung unter den „Abnehmern“?
  • Oder ist es gar denkbar, dass die Gesellschaft die Auswüchse des arbeitsteiligen Kapitalismus wieder zurückdrängt aus dem Sektor der privaten Alltagsgestaltung und der Sorge füreinander?
  • Geht es letztlich allein um die Frage einer gerechteren Entlohnung? Doch was ist mit der Lebenszeit derer, die jederzeit für Arbeit auf Abruf bereitstehen?
  • Brauchen wir einen grundsätzlichen Widerstand gegen die grassierende Aufteilung in Diener und Bediente, in Fußvolk und Eliten? Von wem könnte der ausgehen? Was ist das Ziel?

Julia Friedrichs studierte Journalistik in Dortmund; vor zehn Jahren wurde sie für die Sozialreportage „Abgehängt – leben in der Unterschicht“ ausgezeichnet. Seitdem schrieb sie mehrere Bücher und zahlreiche Reportagen zu Fragen der sozialen Gerechtigkeit. Bei ZDFzoom war ihre Dokumentation „Ausgebeutet – Arbeit nur auf Abruf“ zu sehen (noch bis Ende Oktober in der ZDF-Mediathek).

Die Teilnahme am Interview-Abend mit Julia Friedrichs ist kostenfrei.

Anmeldung: telefonisch (0231 206050) oder per Mail: kister@kommende-dortmund.de.


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